8 ERP-Trends für 2026: Was sich tatsächlich ändert (und was man ignorieren sollte)

Alex Hesp-Gollins Alex Hesp-Gollins
28 Sept., 2026

Cloud-Migration und mobiler Zugriff haben ERP-Systeme bereits vor einem Jahrzehnt grundlegend verändert und gehören heute zum Standard. Der eigentliche Wandel beginnt jedoch erst jetzt. Im Jahr 2026 entscheidet nicht mehr allein die Software über den Erfolg eines ERP-Projekts, sondern die Art und Weise, wie KI, Governance und Branchen-Know-how in die Einführung und den Betrieb integriert werden.

Dieser Artikel beleuchtet die acht wichtigsten ERP-Trends für 2026. Grundlage ist Forresters ERP-Studie für das 1. Quartal 2026 sowie Erkenntnisse aus mehr als 1.200 ERP-Implementierungen von HSO in über 60 Ländern. So erkennen Sie, welche Entwicklungen Ihre ERP-Modernisierung tatsächlich voranbringen und welche Trends voraussichtlich nur begrenzte Auswirkungen haben werden.

Die ERP-Trends auf einen Blick

  1. KI-gestützte Bereitstellung

  2. Ergebnisse schon vor Go-Live

  3. ERP-Investitionen steigen weiter

  4. ERP-Agenten

  5. Von Anfang an für KI ausgelegt

  6. Standardfunktionen plus Branchenexpertise

  7. Modulare Architektur

  8. Erst die Grundlagen, dann Innovation

ERP Trends Overview

Warum sich ERP 2026 verändert: KI als treibende Kraft

Nicht Kosten oder Funktionalität, sondern die Fähigkeit, KI sinnvoll einzusetzen, ist heute der wichtigste Grund für die Modernisierung von ERP-Systemen in mittelständischen und großen Unternehmen.

Im Bericht „The Enterprise Resource Planning Solutions Landscape, Q1 2026“ beschreibt Forrester ERP als das zentrale Nervensystem des Unternehmens. Gleichzeitig wird deutlich, dass ERP-Systeme zunehmend KI-gestützte Prozesse und Arbeitsabläufe unterstützen müssen.

Veraltete, lokal betriebene und funktional fragmentierte ERP-Systeme schränken die Agilität ein und erhöhen die Gesamtbetriebskosten. Dabei geht es längst nicht mehr nur um technische Schulden im Hintergrund. Unternehmen modernisieren ihre ERP-Landschaft heute vor allem aus drei Gründen:

  • Verbesserung der finanziellen und operativen Performance sowie eine schnellere Umsetzung von Erkenntnissen in konkrete Maßnahmen

  • Nutzung KI-gestützter Automatisierung zur Stärkung der Resilienz und Agilität von Geschäftsprozessen

  • Skalierung branchenspezifischer Anforderungen über Märkte und Geschäftsbereiche hinweg ohne wiederholte Individualentwicklungen

Dadurch verändert sich auch die Bedeutung des Begriffs „ERP-Trends“ im Jahr 2026. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, welches neue Modul als Nächstes auf den Markt kommt. Entscheidend ist vielmehr, ob das ERP-System autonome, KI-gestützte Prozesse überhaupt unterstützen kann.

1) KI-gestützte Bereitstellung verkürzt die ERP-Projektlaufzeiten um 20 % bis 30 %

KI automatisiert heute viele der wiederkehrenden Aufgaben einer ERP-Einführung und kann Projektlaufzeiten je nach Umfang und Reifegrad der Organisation um 20 bis 30 Prozent verkürzen.

Die Erfassung von Anforderungen, Dokumentation, Tests, Projektsteuerung und Konfiguration nahmen früher oft Wochen in Anspruch. KI erledigt einen Großteil dieser Arbeiten innerhalb weniger Tage. Dadurch gewinnen Berater Zeit für Aufgaben, die Erfahrung, Fachwissen und Urteilsvermögen erfordern.

KI verändert die Umsetzung von ERP-Projekten grundlegend. Mit dem richtigen Partner lassen sich Lösungen schneller bereitstellen, sodass Unternehmen deutlich früher von ihrer Investition profitieren.

Dies ist die erste von vier Variablen der „neuen ERP-Erfolgsformel“, die der ERP-Report von HSO beschreibt. Die praktische Folge: Berater verbringen weniger Zeit mit der Erstellung von Projektunterlagen und mehr Zeit mit Architekturentscheidungen und dem Änderungsmanagement – Aufgaben, die KI nicht übernehmen kann.

Nahezu jeder Implementierungspartner wirbt inzwischen mit schnelleren Projekten durch KI. Für IT-Verantwortliche ist jedoch vor allem entscheidend, ob sich dadurch auch bessere Ergebnisse erzielen lassen.

"Was nützt Geschwindigkeit, wenn Unternehmen am Ende nur das neu einführen, was sie bereits heute haben? Das ist kein Fortschritt."

Paul Jones Global AI Transformation Lead

Geschwindigkeit allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie Unternehmen die gewonnene Zeit nutzen. Fließt sie in eine bessere Architektur, optimierte Prozesse und eine höhere Datenqualität, entstehen bessere Ergebnisse. Wer lediglich denselben fehlerhaften Prozess schneller neu einführt, beschleunigt nicht die Transformation, sondern nur die bestehenden Probleme.

2) Die ersten Ergebnisse entstehen bereits vor dem Go-Live

Der Erfolg eines ERP-Projekts bemisst sich nicht mehr allein am Go-Live. Geschäftlicher Nutzen sollte bereits während der Implementierung entstehen, nicht erst danach.

Drei Jahrzehnte lang bestand ein direkter Zusammenhang zwischen Projektdauer, Ressourcenaufwand und Kosten. KI durchbricht diesen Zusammenhang. Unternehmen müssen nicht länger bis zum Go-Live warten, um messbare Verbesserungen bei Produktivität, Prozessqualität oder dem Einsatz von KI zu erzielen.

Der Nutzen eines ERP-Projekts entsteht bereits während der Implementierung und wächst nach dem Go-Live weiter. Dadurch verändert sich auch die Berichterstattung gegenüber dem Vorstand: Nicht mehr „Wir gehen im 14. Monat live“, sondern „Diese Verbesserung haben wir bereits im vierten Monat erreicht.“

ERP Value Should Start Before Go Live

3) Die Investitionen in ERP-Systeme nehmen zu, doch die Komplexität bleibt bestehen

2026 steigen sowohl die Investitionen in ERP als auch die Zahl der ERP-Einführungen. Gleichzeitig nimmt die Komplexität der ERP-Landschaften weiter zu. So geben 77 % der Entscheidungsträger im Bereich Unternehmensanwendungen an, dass ihr Unternehmen eine ERP-Einführung plant oder umsetzt. Das geht aus dem Bericht „Enterprise Resource Planning Market Insights“von Forrester vom Mai 2026 hervor .

Weitere Studien belegen mit Zahlen, was viele IT-Leiter täglich erleben:

  • 89 % betreiben ERP-Landschaften mit mehreren Instanzen. Nur 7 % arbeiten mit einer einzigen Instanz.

  • 50 % sehen in Anpassungen, Integrationen und dem wachsenden Funktionsumfang eine zentrale Quelle von Komplexität und setzen deshalb auf stärker standardisierte Prozesse.

Quelle: Forrester Research, Inc., „The Top Trends Shaping ERP“, Juli 2026

4) ERP-Agenten: Von Systemen zur Datenerfassung zu Systemen, die eigenständig handeln

Mit KI-Agenten speichert ein ERP-System Daten nicht nur, sondern handelt aktiv auf ihrer Grundlage.

ERP entwickelt sich vom reinen System zur Datenerfassung und -verwaltung zu einer Plattform, die Prozesse aktiv steuert. KI-Agenten sind dabei von Anfang an Bestandteil der Geschäftsabläufe und werden nicht erst später als zusätzliche Chatbot-Lösung ergänzt.

Bei Venchi verbindet eine Microsoft-basierte Plattform mit integrierten KI-Agenten Kundenservice, KI und ERP. Ein „Purchase Order Entry Agent“ verarbeitet PDFs und andere unstrukturierte Dokumente und prüft anschließend Preise, Verfügbarkeit und Bonität direkt anhand der ERP-Daten. Das Ergebnis: Der Order-to-Cash-Prozess läuft heute schneller, präziser und mit deutlich weniger manuellem Aufwand.

„Der neue Dynamics 365 ERP MCP Server ermöglicht den sicheren Zugriff in Echtzeit auf Hunderttausende ERP-Funktionen für Mitarbeiter, Entwickler und Anwendungen. Während Unternehmen den Übergang von Systemen zur Datenerfassung hin zu Systemen vollziehen, die Entscheidungen unterstützen und Prozesse aktiv steuern, wird MCP zum zentralen Bindeglied. Es vereint ERP-Daten, Analysen und KI auf einer gemeinsamen, vertrauenswürdigen Grundlage.“

Jared Hall Microsoft

Wenn Sie wissen möchten, wie dies konkret in Dynamics 365 funktioniert, finden Sie im Artikel von HSO über ERP-KI-Chatbots eine ausführlichere Beschreibung der Agentenarchitektur, einschließlich der Einbindung der Agenten in Bezug auf die ERP-Daten.

"In den nächsten 18 Monaten bis drei Jahren werden sich immer mehr geschäftliche Interaktionen auf KI verlagern. Intelligente Agenten mit den nötigen Zugriffsrechten werden dabei eigenständig Aufgaben ausführen und Entscheidungen vorbereiten."

Bill Burke Geschäftsführer, Merit Solutions

5) Integrierte KI-Governance statt nachträglicher Compliance.

Agenten können bestehende Risiken in ERP-Systemen erheblich vergrößern. Deshalb sollten Unternehmen Governance von Anfang an in ihre Architektur integrieren, statt sie erst nach dem Einsatz der Agenten einzuführen.

Genau hier setzt das KI-Betriebssystem von HSO an. Es vereint Governance, Sicherheit und Lebenszyklus-Management für KI-Agenten und steuert ihr Verhalten auch in komplexen Umgebungen.

Ohne diese Ebene schafft jeder zusätzliche Agent eine weitere potenzielle Fehlerquelle. Mit dem KI-Betriebssystem verankert HSO Governance direkt in der Architektur, statt nach der Bereitstellung einzelne Kontrollmaßnahmen nachzureichen.

6) Ein standardisierter ERP-Kern als Basis für branchenspezifische Prozesse

Die erfolgreichsten ERP-Initiativen des Jahres 2026 setzen auf Standardisierung statt auf Individualisierung. Unternehmen halten ihren ERP-Kern möglichst nah am Standard und nutzen branchenspezifische Accelerators, KI-Agenten und Low-Code-Plattformen, um gezielt dort Flexibilität zu schaffen, wo sie einen Unterschied macht.

Dieser Ansatz reduziert die Komplexität, vereinfacht Upgrades und schafft die Voraussetzungen, um schneller auf neue Anforderungen zu reagieren. Laut Forrester zählen individuelle Anpassungen für bereits 50 Prozent der Unternehmen zu den wichtigsten Komplexitätstreibern ihrer Anwendungslandschaft.

Statt jede ERP-Einführung neu zu erfinden, setzen führende Unternehmen auf vorgefertigte Branchenprozesse, Accelerators und KI-Agenten auf Basis bewährter Verfahren. So profitieren sie von erprobten Best Practices und bleiben flexibel genug, um Erweiterungen und Innovationen mit Technologien wie der Microsoft Power Platform außerhalb des ERP-Kerns umzusetzen.

„Es ist wichtig, dass unser zentrales ERP-System so nah wie möglich am Standard bleibt. Gleichzeitig legen wir Wert auf Flexibilität in angrenzenden Prozessen. Genau das bieten uns Microsoft Dynamics 365, Power Apps, Power Automate und Power BI.“

Tony Westwater RKW

Genau hier zeigt sich zunehmend der Unterschied zwischen branchenspezifischen ERP-Lösungen und standardisierten ERP-Implementierungen. Statt bewährte Prozesse in jedem Projekt neu aufzusetzen, können Unternehmen auf vorgefertigte Branchenlösungen wie aec360, spezialisierte Agenten und bewährte Beschleuniger zurückgreifen, die auf Erfahrungen aus zahlreichen Implementierungen basieren. Das Portfolio von HSO an branchenorientierten KI-Agenten und Beschleunigern hilft Unternehmen, bewährte Branchenstandards zu übernehmen und gleichzeitig eine moderne, skalierbare ERP-Plattform aufzubauen.

Aec360 Opp Heatmap Dashboard

7) Eine modulare Plug-and-Play-Architektur ersetzt Punkt-zu-Punkt-Verbindungen

„Composable ERP“ basiert auf wiederverwendbaren Datenmodellen und Komponenten. Unternehmen können so wachsen, ohne dass ihre IT-Landschaft ständig komplexer wird.

Gemeinsam mit HSO entwickelte ein weltweit tätiges Logistikunternehmen eine moderne Datenplattform auf Basis von Microsoft Fabric, Power BI und Purview. Das Unternehmen standardisierte seine Integrationsarchitektur und schuf wiederverwendbare Strukturen, sodass es neue Systeme nicht mehr als Einzelprojekte anbinden musste.

Für Unternehmen, die eine Umgebung mit mehreren Instanzen betreiben, zählt dieser Ansatz zu den wichtigsten Entwicklungen überhaupt. Er entscheidet darüber, ob jede Akquisition und jeder neue Geschäftsbereich zusätzlichen Integrationsaufwand verursacht oder sich neue Einheiten nahtlos in die bestehende Systemlandschaft einfügen.

8) Menschen, Prozesse und Daten zuerst. Die Architektur folgt danach.

Die Reihenfolge, die erfolgreiche von gescheiterten ERP-Projekten unterscheidet, bleibt unverändert: Menschen, Prozesse, Daten und erst dann die Architektur.

KI ersetzt diese Reihenfolge nicht. Im Gegenteil: Wer sie ignoriert, erhöht Kosten und Risiken. Ein Agent, der auf einem fehlerhaften Prozess basiert, automatisiert den Fehler, statt ihn zu beheben.

Beginnen Sie bei den Menschen, die das System täglich nutzen. Gestalten Sie Prozesse auf Basis der geschäftlichen Anforderungen neu, statt bestehende Abläufe aus dem Altsystem zu übernehmen. Schaffen Sie anschließend eine verlässliche Datenbasis. Erst dann sollten Sie die technische Architektur darauf aufbauen.

Sehen Sie sich den Beitrag „KI im ERP: Warum Daten und Prozesse vor der Technik kommen“ an, um eine praktische Anleitung zu erhalten.

Wie Sie diese ERP-Trends für Ihre Roadmap bis 2026 priorisieren können

Nicht jeder Trend hat für jedes Unternehmen die gleiche Priorität. Für IT- und Betriebsleitende, die 2026 eine Modernisierung prüfen, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  • Prüfen Sie zunächst die KI-Reife. Eine saubere Datenbasis, ein stabiler ERP-Kern und klare Governance-Strukturen bestimmen, wie stark Sie von den anderen Trends profitieren können. Wenn Sie diesen Schritt überspringen, automatisiert ein agentisches ERP bestehende Probleme lediglich schneller.

  • Entscheiden Sie früh, welche Funktionen im ERP-Kern verbleiben und welche außerhalb des ERP-Kerns liegen sollen. Diese Entscheidung beeinflusst Upgrade-Kosten, Anpassungsrisiken und die Geschwindigkeit, mit der die Power Platform auf neue Anforderungen reagieren kann.

  • Prüfen Sie vorhandene Branchenlösungen, bevor Sie Eigenentwicklungen planen. Fragen Sie potenzielle Partner nach vorgefertigten Lösungen für Ihre Branche, wie beispielsweise AEC360. Eine vollständige Neuentwicklung ist meist der langsamste und risikoreichste Weg zum gleichen Ergebnis.

  • Definieren Sie neben dem Go-Live-Termin auch konkrete Ergebnisziele. Wenn ein Partner nicht aufzeigen kann, welche Verbesserungen bereits nach drei oder sechs Monaten sichtbar werden, spielt KI im Delivery-Modell vermutlich keine wesentliche Rolle.

  • Berücksichtigen Sie die KI-Governance von Anfang an bei der Anbieterauswahl. Fragen Sie konkret, wie Anbieter das Verhalten von Agenten, Kosten und Zugriffsrechte überwachen, statt lediglich nach verfügbaren KI-Funktionen zu fragen.

How To Prioritize These ERP Trends For Your Roadmap

Häufig gestellte Fragen