
Anders als die Vertragswerkstätten verkauft A.T.U. anstelle teurer Originalteile qualitativ hochwertige Produkte in Erstausrüsterqualität, die im Schnitt zwanzig Prozent günstiger sind. „Mehr als 60.000 Artikel – überwiegend Ersatz- und Verschleißteile – sind sofort lieferbar. Und bei uns müssen Kunden nicht erst auf einen Werkstatttermin warten“, betont Manfred Gerlach, Geschäftsführer der A.T.U. Auto-Teile-Unger GmbH, den Serviceaspekt.
Der Mix aus Autofachmarkt und Kfz-Werkstatt ist aus seiner Sicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil. Die pure Größe gibt ihm Recht: Denn die Nummer zwei am Markt kommt lediglich auf ein Zehntel des A.T.U.-Umsatzes. „Einen Wettbewerber auf Augenhöhe haben wir derzeit nicht. Unsere größten lokalen Konkurrenten sind die vielen freien Werkstätten“, stellt Manfred Gerlach klar. Die aktuelle Marktlage bewertet er als stabil aber gesättigt. Verbesserungen bei der Teile- und Servicequalität und eine tendenziell sinkende Jahresfahrleistung würden ein „natürliches“ Wachstum verhindern.
Anforderungen
Die einzelnen A.T.U.-Standorte werden zentral geführt und strikt nach betriebswirtschaftlichen Maß-stäben – wie etwa Umsatz oder Deckungsbeitrag – ausgerichtet. Den daraus resultierenden Informati-onsbedarf, konnte die in die Tage gekommene, heterogene IT-Landschaft der Filialen jedoch kaum noch befriedigen: Bislang arbeitete jede Niederlassung autark auf einem eigenen, lokalen Server.
Für operative Aufgaben wie Kasse, Werkstattaufträge oder Verfügbarkeitsprüfung gab es unterschiedliche Anwendungen. Da Kapazität und Spielraum der vorhandenen Lösungen ausgeschöpft waren, kamen immer wieder neue Bausteine hinzu. „Das gesamte System kostete uns viel Zeit, war fehleranfällig und pflegebedürftig“, blickt Manfred Gerlach zurück. Wegen der langsamen Übertragungsläufe lagen in den Filialen mitunter unterschiedliche Daten zu Kunden und Fahrzeugen vor.
Ende 2007 suchte A.T.U deshalb per Ausschreibung nach einer zeitgemäßen, effizienteren Lösung. Dabei sollte die gesamte Auftragsbearbeitung, unter Berücksichtigung der Kassenarbeitsplätze (Point of Sale – POS), in einen integrierten Gesamtprozess überführt werden. Gleichzeitig galt es, die wartungsintensive dezentrale Infrastruktur durch einen zentralen Unternehmensserver abzulösen.
Die Wahl fiel auf das ERP-System Microsoft Dynamics AX. „Wir wollten in jeder Hinsicht möglichst nah am Standard bleiben. Mit Dynamics AX gelang dies nicht nur im Hinblick auf die Software; wir konnten auch den kompletten Kassenbereich mit Standardkomponenten ausstatten“, begründet Manfred Gerlach die Wahl des ERP-Systems. Mindestens ebenso wichtig war für ihn die Investitionssicherheit.
Der Auftrag für die Implementierung ging an den Microsoft Partner HSO SW GmbH aus Renningen bei Stuttgart. „Entscheidend waren für uns die vorhandenen Referenzen und die professionelle Projektmethodik der HSO. Zudem konnte das Softwarehaus ausreichend Personal bereitstellen, was bei einem Projekt unserer Dimension keinesfalls selbstverständlich ist.“
Lösung
Im Frühjahr 2008 startete das Projekt mit der Ausarbeitung relevanter Geschäftsprozesse. „Uns war es wichtig, dass die neue Filialsoftware eine Lösung von Anwendern für Anwender ist. Deshalb haben wir viel Zeit investiert, um die Wünsche der Nutzer umzusetzen“, erklärt Manfred Gerlach. Nach ausgiebigen Tests wechselten im August 2009 die ersten Filialen auf Microsoft Dynamics AX.
„Im Sommer geht es in unserem Geschäft vergleichsweise ruhig zu. Um in der heißen Phase keine Probleme zu bekommen, konzentrierten wir uns zunächst auf die umsatzstärksten Filialen“, ergänzt Geschäftsführer Gerlach. Heute – etwas mehr als ein Jahr später – arbeiten bereits 253 Filialen mit Microsoft Dynamics AX. Bis Ende 2011 werden rund 600 Filialen mit etwa 6.500 Arbeitsplätzen umgestellt sein.
Nutzen
Als POS-Systeme fungieren Thin Clients, die um Kassenlade, Tastatur, Drucker und Kartenterminals ergänzt wurden. Die Kassen sind per ADSL-Leitung mit dem Rechenzentrum in Hannover verbunden. Die erfassten Verkaufs- und Werkstattvorgänge werden mithilfe eines Terminalservers an den Unter-nehmensserver übermittelt und stehen sofort für weitere Analysen zur Verfügung.
In umgekehrter Richtung lassen sich die Kassen praktisch fernsteuern. „Der Befehl die Kassenlade zu öffnen, kommt vom Server“, unterstreicht Manfred Gerlach. Über Schnittstellen ist die Filiallösung mit den zentralen Anwendungen für Warenwirtschaft, Finanzen oder Management Informationen verknüpft. Zudem sind viele Lieferanten und externe Dienstleister via Web Service an Microsoft Dynamics AX angebunden.
Da alle Funktionen in einem integrierten System zusammengeführt sind, können die Mitarbeiter in den A.T.U.-Filialen ihre Kunden deutlich schneller bedienen. „Wir sind jetzt in der Lage, direkt aus Dynamics AX heraus die Warenverfügbarkeit zu prüfen oder Nachbestellungen online auszulösen. Ohne die Doppeleingaben sparen wir Zeit und Geld“, freut sich Manfred Gerlach.
Zu den operativen Effizienzzuwächsen gesellen sich deutliche Einsparungseffekte bei den IT-Ausgaben: „Preisgünstige Standardhardware und die an den Kassen eingesetzten Thin Clients senken das Investitionsvolumen. Zusätzlich sparen wir durch die neue Infrastruktur jährlich Stromkosten in Höhe von rund 300.000 Euro“, verdeutlicht Manfred Gerlach. Ideen für den weiteren Ausbau des Systems gibt es bereits, doch hat der Roll-out in den verbleibenden Filialen derzeit Priorität.